Das Erdölglas ist halbleer - Peak Oil in der aktuellen Presseberichterstattung



Der Mineralölmarkt war im Jahr 2005 von großen Versorgungsunsicherheiten, verbunden mit teilweise enormen Preissteigerungen geprägt. In der Folge gerät die Frage der zukünftigen Energieversorgung seit Anfang 2006 zunehmend ins Blickfeld von Politik, Wirtschafts- und Tagespresse. Im Rahmen der Berichterstattung wurde auch das, äußerst kritische, so genannte Peak-Oil Phänomen erstmals, mehr oder weniger offen, einer breiten Öffentlichkeit erläutert und dessen Auswirkungen auf die zukünftige Energieversorgung der Industriestaaten aufgezeigt.





"Peak-Oil" - Der Anfang vom Ende preiswerten Erdöls?

Internationale Energieagenturen gehen heute, vor dem Hintergrund einer aktuellen Weltjahresproduktion von ca. 30 Gigabarrel, von einer theoretischen Reichweite heute bekannter Erdölreserven von ca. 40 Jahren aus. Dabei wird jedoch unterstellt, dass das heutige Fördervolumen quasi bis zum letzten Tropfen aufrechterhalten werden kann. In der Praxis reduziert sich das mögliche Produktionsvolumen jedoch schrittweise, wenn ca. 50% des förderbaren Erdöls produziert wurden, da der Förderverlauf eines Ölfeldes üblicherweise einen „glockenkurvenartigen“ Verlauf aufweist. Wird das Fördermaximum, der so genannte „Peak“ überschritten, entwickelt sich die Produktion unumkehrbar rückläufig. Nach Berechnungen unabhängiger Erdölgeologen wird der weltweite Peak-Oil voraussichtlich zwischen 2004 und 2007 überschritten – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Röhlpreise. Die aktuelle Preisentwicklung an den Erdölbörsen könnte somit ein erster Vorgeschmack auf die kommenden Jahrzehnte sein, wenn vorhandenes Erdöl erstmals in der Geschichte der Menschheit nicht mehr ausreicht, um den Bedarf zu decken.






Die Geschichte der Mineralölindustrie

Die Entwicklung der Ölindustrie ist, geschichtlich betrachtet, sehr eng mit der industriellen Entwicklung der heute weltweit führenden westlichen Industriestaaten verbunden. Sie schaffte damit indirekt die Grundlage für die Ausprägung des heutigen kulturellen westlichen Selbstverständnisses von stetigem Wachstum, Globalisierung, Bewegungs- und Reisefreiheit und Wohlstand. Auf der anderen Seite wird die Industrie auch heute noch der politischen Einflussnahme sowie der Preisabsprache verdächtigt. Die Kenntniss der geschichtlichen Hintergründe der Ölindustrie ist deshalb für ein grundlegendes Verständnis heutiger Marktzusammenhange unerläßlich.





Preisbildung im Ölmarktmarkt

Die allgemeine Preisbildung bei Mineralölprodukten ist, entgegen der landläufigen Meinung, eine äußerst komplexe Angelegenheit und wird von einer Vielzahl externer und schwer kalkulierbarer Faktoren beeinflusst. Eine Besonderheit sind dabei insbesondere die enormen Unterschiede zwischen Brutto- und Nettopreis, da mehr als 70% des heutigen Tankstellenpreises durch Steuern und Abgaben verursacht werden. Dennoch, auch unabhängig von direkten staatlichen Eingriffen in die Preisgestaltung bleibt eine ökonomische Preisbildung bei Mineralölprodukten auch vor dem Hintergrund weiterer Faktoren eine schwierige Angelegenheit.





Der Deutsche Mineralölmarkt

Der deutsche Mineralölmarkt befindet sich seit einigen Jahren in einer Konsolidierungsphase. Dabei stehen dem seit Mitte der 90’er Jahre kontinuierlich rückläufigen Gesamtverbrauch von zuletzt 127 Mio. Tonnen im Jahr 2002 weitestgehend unveränderte Raffineriekapazitäten im Innland gegenüber. Diese wurden in 2002 durch technische Optimierungen sogar noch um 1 Mio. Tonnen auf insgesamt 114 Mio. Tonnen ausgebaut. Die unvorstellbare Menge von 127 Mio. Tonnen Öl entspricht, bei einem Volumen einer Tonne Rohöl von ca. 1 m3 , einem Quader von 500 Metern Seitenlänge. Bei der Produktstruktur finden darüber hinaus seit einigen Jahren kontinuierlich Verschiebungen statt.






Der globale Mineralölmarkt

Die weltweite Rohölproduktion stagniert seit einigen Jahren auf einem Niveau um die 3,6 Mrd. Tonnen jährlich. Erst in jüngster Zeit stieg die weltweite Nachfrage, auf Grund der konjunkturellen Belebung in den USA, sowie dem immer schnelleren wirtschaftlichen Aufschwung Chinas, dramatisch an. Das sensible Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage scheint sich, auf Grund dieser Entwicklung zunehmend und mit negativen Auswirkungen auf die Preisentwicklung, zu verschieben.





Entstehung und Förderung von Rohöl

Die Entstehungsgeschichte des Erdöls ist bis heute nicht abschließend geklärt worden. Dies liegt weitestgehend darin begründet, dass Erdöl heute in der Regel nicht am Ort seiner ursprünglichen Entstehung gefunden oder gefördert wird. Erdöl wird heute aus natürlich entstandenen so genannten „Erdölfallen“ gefördert. Im Laufe der Zeit stieg das Erdöl aus tiefer gelegenen Erdschichten in Richtung der Erdoberfläche nach oben. Traf das emporsteigende Erdöl dabei auf feste und undurchlässige Erdschichten, so konnte es seinen Weg nach oben nicht weiter fortsetzen und es entstanden im Laufe der Zeit natürliche Erdölspeicher, welche im Rahmen der Erdölförderung angebohrt werden können.




Petrochemische Verarbeitung von Rohöl

Der Rohstoff für die Herstellung petrochemischer Produkte wie Fette, Öle, Kraftstoffe oder Bitumen für den Straßenbau ist heute in der Regel das Rohöl (engl. „Crude“). Als Rohöl wird grundsätzlich derjenige Zustand des Erdöls bezeichnet, in dem es bei der Förderung an die Erdoberfläche gelangt. Ohne weitere Verarbeitung oder Behandlung ist Rohöl dabei weitestgehend unbrauchbar. Beim Rohöl handelt es sich um eine komplexe Mischung unterschiedlicher Kohlenwasserstoffe von unterschiedlicher Molekülgröße, wobei jedes der im Rohöl enthaltenen Kohlenwasserstoffe im weiteren Verarbeitungsprozess eines der später verbrauchsfertigen Endprodukte bildet.





Lagerhaltung von Mineralölprodukten

Die Lagerung und Bestandsführung von Mineralölprodukten unterliegt in der Praxis besonderen Anforderungen. Öl ist sowohl aus sicherheitstechnischen Gründen wie auch unter Umweltaspekten zunächst als Gefahrgut zu behandeln und unterliegt deshalb entsprechenden staatlichen Auflagen. Da es sich bei Öl um Flüssiggut handelt sind im Rahmen der Bestandsführung zusätzlich temperaturbedingte Änderungen des spezifischen Volumens, sowie technisch bedingt Mengenabweichungen bei der Befüllung und Entnahme von Produkten, so genannte „Gains and Losses“  zu berücksichtigen.





Supply Chain Management in der Ölindustrie

Der wirtschaftliche Erfolg eines Mineralölunternehmens wird heute maßgeblich durch seine Fähigkeit die gesamte logistische Versorgungskette flexibel und effizient managen zu können bestimmt. Historisch betrachtet haben beinahe alle großen Mineralölkonzerne ihren Ursprung in Transport, Produktion und Vertrieb – also dem Downstream – und weniger in der Förderung von Rohöl – dem so genannten Upstream. Berühmte Personen der Zeitgeschichte wie beispielsweise John .D. Rockefeller, der Gründer von Standard Oil, dem Vorgänger des heutigen Exxon-Mobil Konzerns, oder Aristoteles Onassis waren letztlich nichts anderes als „Öl-Spediteure“.


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